Aschenplatz im Funzellicht. Mit dem Amateurfußballkongress wollte der DFB sein Image aufpolieren – und erntet statt dessen Kritik

Viel wird von Amateurvereinen gefordert: Sie sollen den sozialen Zusammenhalt stärken, migrantische Kids integrieren, die Defizite von Schule und Elternhaus abbauen, den Verein ins digitale Zeitalter führen und die Talentschmiede für neue Generationen von Bundesliga- und Nationalspielern sein. Unentgeltlich und ehrenamtlich, versteht sich.

»Der Amateurfußball hat einen so hohen Stellenwert im DFB wie noch nie«, behauptete DFB-Boss Reinhard Grindel in seiner Eröffnungsrede auf dem jüngst zu Ende gegangenen dritten Amateurfußballkongress (AFK) in Kassel. Eigenen Angaben zufolge investiert der DFB mit seinen Landesverbänden rund 120 Millionen Euro jährlich in den Amateurfußball, »soweit es die Satzungen zulassen als direkte Unterstützung, im wesentlichen aber durch Verbandsleistungen«. Ein Zahlenwerk, das für Aktive an der Basis kaum nachvollziehbar ist. Tamara Dwenger, Präsidentin des von Fans geführten Vereins und Bezirksligisten Hamburger Fußball-Club Falke, sagt im jW-Gespräch: »Völlig intransparent, woher die Eurosummen für den DFB kommen und wohin sie fließen.« Gibt es keine konkrete Verbandsunterstützung? An einen Vereinsdialog im Rahmen des »DFB-Masterplans« für den Amateurfußball könne sie sich erinnern, an mehr aber nicht.

Knapp sieben Millionen Mitglieder hat der DFB in etwa 25.000 Vereinen. Die sind in 21 Landesverbänden organisiert, die wiederum fünf Regionalverbänden unterstehen. 160.000 Teams treten Woche für Woche gegeneinander an, das sind pro Saison 1,9 Millionen Partien. 99,9 Prozent der Akteure kicken in den unteren und untersten Ligen. Eine Macht, zumindest auf dem Papier. Der für den Amateurbereich zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch betonte auf dem AFK: »Die Amateurfußballvereine sind das Fundament des Fußballs.«

Nicht mehr als eine Plattitüde, meinen Kritiker. Einer der schärfsten ist Engelbert Kupka, jahrzehntelang Präsident des heutigen Drittligisten SpVgg Unterhaching und 2016 Initiator von »Rettet die Amateurvereine«. In einem Gastbeitrag für Zeit online schrieb er am 24. Februar: »Der DFB-Präsident fordert nicht etwa Solidarität vom milliardenschweren Profifußball, sondern sagt zu seiner Basis: Helft euch selbst, kassiert eure Mitglieder ab!« Kupkas Vorwürfe will niemand aus dem DFB gegenüber jW kommentieren.

Koch zieht auf jW-Anfrage ein positives Fazit: »Alle Ebenen des Amateurfußballs von den Vereinen bis zu den Landesverbänden waren im Austausch, haben die Lage analysiert und Handlungsempfehlungen mitgenommen.« Jetzt ginge es darum, den Amateurfußball »zeitgemäß« aufzustellen, die Digitalisierung voranzubringen, um für fußballbegeisterte Jugendkulturen attraktiv zu bleiben.

Ziemlich schönfärberisch sei das, findet Dwenger: »Der DFB wollte offenbar ein harmonisches Kongressbild abgeben.« Sie fordert, dass der Amateurfußball »eine eigenständige Rolle neben dem Profifußball im DFB« haben müsse.

Viele Vereine nehmen die Verbände mehr als Richter, denn als Anwalt ihrer Interessen wahr: steigende Gebühren, Straf- und Ordnungsgelder für nicht abgestellte Schiedsrichter, zu spät übermittelte Spielergebnisse oder zu wenige Nachwuchsteams. Und nicht zuletzt mangelt es an ehrenamtlichen Helfern für den Spielbetrieb und ein vitales Klubleben.

In der Realität des Unterklassenfußballs seien die DFB-Oberen – trotz staatsmännischer Visiten – noch längst nicht angekommen, meint Dwenger. Wie sieht die aus? »Fehlende Trainingsplätze und Sportstätten, vor allem auch in Stadtzentren.« Sie weiß, wovon sie spricht: der HFC Falke hat keine eigene Heimstätte, muss sich bei einem anderen Klub einmieten und trainierte lange Zeit auf einem holprigen roten Aschenplatz unter Funzellicht.

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/350842.fu%C3%9Fball-aschenplatz-im-funzellicht.html?fbclid=IwAR3nNlZgEbhgfRV8TfvmypEl8ybu2bXYc3Z_CcYxGgUQxLJX1IheU79_bVc

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.