Aufstieg und kein Zuhause. Dem größten Fußballklub des Saarlands fehlt sein Stadion

Wo der größte Fußballklub des Saarlands sich zu Hause fühlt, klafft seit Anfang 2016 eine Baulücke. Das Ludwigsparkstadion, kurz Lupa, wird umgebaut.

Im März 1954 spielte das Nationalteam des noch bis 1957 autonomen Saarlands hier gegen die westdeutsche Truppe von Sepp Herberger um die Qualifikation für die WM in der Schweiz – der 3:1-Auswärtssieg der BRD ging dem »Wunder von Bern« voraus.

Seit dem Bundesligastart im Jahr 1963 gingen dann die Blauschwarzen vom 1. FC Saarbrücken im Lupa auf Punktejagd. Als die Umbauten begannen, zogen sie übergangsweise nach Völklingen, ins Stadion des Viertliga-Konkurrenten SV Röchling. So richtig glücklich wirken sie dort nicht, trotz aller Erfolge.

Ursprünglich sollte das Lupa im zweiten Quartal 2018 wiedereröffnet werden. Im vergangenen Frühjahr führte eine Kostenexplosion zum zwischenzeitlichen Baustopp. Anfang Dezember teilte die Stadtverwaltung dem Klubpräsidenten Hartmut Ostermann nun mit, dass bis zum Abschluss der Bauarbeiten im Lupa kein Spielbetrieb möglich sein wird. Die Rückkehr wird also frühestens 2020 stattfinden.

In der Regionalliga Südwest führt der FCS nach der Hinrunde die Tabelle mit einem komfortablen Zehn-Punkte-Vorsprung vor Kickers Offenbach an. Die Rückrunde beginnt Anfang Februar, die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur dritten Liga scheint den Saarbrückern kaum noch zu nehmen. Allerdings ist der Aufstieg nicht nur an sportliche Bedingungen geknüpft. Bis März muss der FCS im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens ein drittligataugliches Stadion für seine Heimpartien vorweisen. Alle bisher diskutierten Standorte haben ihre Tücken. Das Ausweichquartier in Völklingen ist zu klein und die Flutlichtanlage zu schwach. Für Erweiterungsbauten müsste die Kommune viel Geld in die Hand nehmen, und dabei wurde die Zwischenlösung von den FCS-Fans nicht wirklich angenommen. »Ein Teil der Anhängerschaft ist mit dem Umzug nach Völklingen weggebrochen«, sagt der Fanbeauftragte Andreas Kulz: »Waren im Lupa bei Heimspielen regelmäßig bis zu 5.000 Zuschauer, sind es jetzt im Schnitt unter 3.000.«

Die »Prüfung von alternativen Stadionstandorten« erfolge »unter Hochdruck«, sagt FCS-Geschäftsführer David Fischer gegenüber jW. Auch für ihn ist klar: »Der Ludwigspark ist und bleibt als Heimstätte der zentrale Identifikationsfaktor für den FCS.«

Das Lupa gehört der Stadt. Deren Regierung aus SPD, Grünen und Linkspartei ist unter Beschuss geraten. Sportdezernent Harald Schindel (Die Linke) sei mit dem Stadionumbau überfordert, behauptete die FDP. Die CDU versuchte, Schindel abwählen lassen. Dass ein Aufstieg des FCS am fehlenden Stadion scheitern könnte, soll Schindel einem Bericht der Saarbrücker Zeitung zufolge lax abgetan haben: »Dann ist das eben so.« Ein Stoß ins Herz vieler Fans, der Dezernent sah sich einem Shitstorm ausgesetzt. Rückendeckung bekam er von der Vorsitzenden der Linkspartei im Stadtrat, der ehemaligen Wimbledon-Siegerin Claudia Kohde-Kilsch. Die Opposition wolle Schindel demontieren, erklärte sie. »Die Fans des 1. FC Saarbrücken haben ein legitimes Interesse daran, ihren Verein möglichst bald wieder im Ludwigspark spielen zu sehen. Wir unterstützen das mit Nachdruck.«

Gegenüber jW erklärte Schindel, der Verein habe den Wunsch, während der Bauarbeiten im Lupa zu spielen, zu spät geäußert, nämlich »erstmals Ende September 2017«. Schon der ursprüngliche »Bauantrag hätte ganz anders gestellt werden müssen«. Er geht fest von der Wiedereröffnung des Lupa im Frühjahr 2020 aus.

Vor einigen Wochen demonstrierten einige Hundert FSC-Fans für die baldige Rückkehr ins Lupa durch Saarbrücken. Der Fanbeauftragte Kulz rechnet mit weiteren Protesten. FCS-Trainer Dirk Lottner erklärte der Saarbrücker Zeitung, er würde die Einweihung der umgebauten Heimstätte schon »gerne miterleben«, allerdings auch »irgendwann in den Ruhestand gehen« wollen.

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/323646.aufstieg-und-kein-zuhause.html

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