Bitte einen Rugbyvirus. Der RK 03 Berlin, der einzige Spitzenklub der Bundesliga, feiert seinen 50. Geburtstag

Am liebsten möchte er einen »Rugbyvirus« in Berlin auslösen, sagt Ingo Goessgen. Er ist der Vereinsboss des Rugby Klubs 03 Berlin aus dem Ostberliner Stadtteil Weißensee. Für den Virus wäre der 50. Geburtstag des RK 03 ein guter Anlass. An diesem Wochenende feiert der Klub an der Buschallee nicht nur sein Jubiläum, sondern die Saison startet mit einem Derby gegen den Rivalen aus dem Westteil der Stadt, den Berliner Rugby Club (BRC).

Rugby ist durchaus eine eher rustikale Randsportart, »die aber mit einer wilden Rauferei nichts zu tun hat«, betont Goessgen. Es gibt ein striktes Regelwerk. Für ihn zeichnen drei Faktoren das Rugbyspiel des RK 03 aus: »Teamgeist, Respekt und Fairness.« Den Unterschied zum Fußball definiert er so: »Fußball ist eine von Raufbolden gespielte Gentlemansportart, und Rugby ist eine von Gentlemen gespielte Raufboldsportart«.

Rückblende: 1967 gründete die Betriebssportgemeinschaft Post in der Hauptstadt der DDR eine Rugbyabteilung. Die BSG Post zählte neben der BSG Stahl Henningsdorf, dem ASK Vorwärts Berlin, der HSG DHfK Leipzig und der SG Dynamo Potsdam zu den Topmannschaften, die um den Titel in der DDR-Oberliga stritten. Serienmeister waren die Stahlwerker aus Henningsdorf mit ihrem Pionier Erwin Thiesies (1908–1993), der zugleich von 1950 bis 1971 Trainer der Rugbynationalmannschaft der DDR war.

Die BSG Post wurde zweimal Vizemeister, letztmalig 1989. Goessgens Klub nennt sich deshalb »DDR-Vizemeister auf Lebenszeit«. Um sich auf internationaler Bühne mit Rugbyklubs auch aus dem westlichen Ausland zu messen, besuchten die Spieler der BSG Post Anfang der 1980er Jahre ein Turnier, das in der damaligen Tschechoslowakei von Lokomotiva Olomouc ausgetragen wurde. Das Team reiste halbklandestin in kleinen Gruppen über Umwege in die CSSR ein, um die Partien zu bestreiten. Denn die Rugbypostler hatten vom Deutschen Rugbysportverband (DRSV) der DDR keine Teilnahmegenehmigung erhalten. Ausschlaggebend sei das Kontaktverbot zu Westsportlern gewesen, erinnert sich Goessgen.

Nach dem Ende der DDR wurde die BSG dann sogar mit einem Westverein fusioniert – und zwar mit dem Post SV aus Westberlin, dessen Namen man auch übernahm. Im neuen Verein fristete der Rugbysport jedoch nur ein Schattendasein. 2003 entschied die Mitgliedschaft der Rugbabteilung den Austritt aus dem Post SV und die Gründung eines eigenen Vereins. »Mit der Ausgliederung kam der sportliche Erfolg«, sagt Goessgen. Der RK 03 stieg bis in die Rugbybundesliga auf, wo er sich als einziger Ostklub an der Spitze festsetzen konnte. In der abgelaufenen Saison wurde das Team Erster in der Nordstaffel. Im Halbfinale war jedoch – wie in der Saison zuvor – Endstation. Noch erweisen sich die unter semiprofessionellen Bedingungen trainierenden Vereine aus der Südstaffel mit ihren Legionären aus der Rugbynation Simbabwe im Duell als leistungsstärker.

Dennoch: RK 03 ist eine kleine Erfolgsgeschichte. Stolz bemerkt Goessgen: »Wir haben mit die beste Infrastruktur im deutschen Rugbysport geschaffen.« Eine Sportanlage mit einem kleinen Stadion für knapp 3.000 Zuschauer, zwei weiteren Rugbyplätzen und mehreren Trainingsmöglichkeiten sowie vereinseigenem Klubhaus.

Nachdem die Infrastruktur geschaffen wurde, steht nun die Nachwuchsarbeit im Mittelpunkt. Mit seinen 200 Jugendspielern setzt der RK 03 Zeichen. Dabei sollen Kinder und Jugendliche ohne Leistungsdruck an den Rugbysport herangeführt werden. »Titel sollen in zehn bis 15 Jahren die Herren erringen«, skizziert Goessgens eine mittelfristige Perspektive für den Verein. Bereits jetzt stammt die Hälfte der Bundesligamannschaft aus der eigenen Jugend.

Für den Verein steht nun ein kompaktes Jubiläumswochenende an. Erst das Lokalderby am heutigen Freitag um 20 Uhr unter Flutlicht und morgen dann ein großes Sommerfest in der Buschallee ab 14 Uhr. Die Brisanz des Derbys liegt im Ost-West-Vergleich. Der RK 03 hat dem Lokalrivalen aus dem Westberliner Charlottenburg in den letzten Spielzeiten den Rang abgelaufen. Die informelle Berliner Meisterschaft ging nach zwei Staffelsiegen an den Klub aus Weißensee. »Damit sind wir die Kings of Berlin«, sagt Goessgen mit einem Augenzwinkern. Die innerstädtische Rivalität ist so groß, dass es nahezu ausgeschlossen ist, dass Spieler vom RK 03 zum BRC wechseln oder umgekehrt. Das sei Goessgen zufolge sowohl ein Ergebnis der »gesunden Konkurrenz« als auch der starken Vereinsbindung.

Der neue Coach des RK 03, Maximiliano Bonanno, hat ambitionierte Ziele. Er will nicht nur zukünftig ins Bundesligafinale einziehen, sondern »mit dem Verein Geschichte schreiben.« Der Teammanager des Klubs, Lutz Joachim, gibt die Marschroute vor: »Wir wollen gleich zu Saisonbeginn ein Ausrufezeichen setzen und den Start nicht vermasseln.« Doch der BRC will nicht länger als Punktelieferant antreten. Das Stadtduell kann kommen.

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