Die magische Zahl. Käfig-Credibility: Der Deutsche Basketballbund (DBB) will mit Drei-gegen-drei-Basketball durchstarten

Der Sport ist trendy, der Sport ist online, der Sport ist ein Event: Basketball drei gegen drei – abgekürzt: 3×3. Aber noch gibt es Startschwierigkeiten, hierzulande zumindest. »In Deutschland fehlt bislang eine 3×3-Basketballkultur«, konstatiert Uwe Albersmeyer, Geschäftsbereichsleiter im Deutschen Basketballbund (DBB), im Gespräch mit jW. Länder wie Slowenien, Lettland, vor allem Serbien sind in Europa weit vorn – und den deutschen Spielern weit voraus.

Der 3×3-Basketball entspringt dem Streetball. Zwei Dreierteams spielen auf einen Korb. Das war es aber schon mit Parallelen. Statt auf porösen Betonplatten einer Trabantenstadt wirbeln die Teams auf mobilen Halbfeldern des klassischen Basketballs – im Freien in Stadtzentren, meist mit Zuschauerrängen und Dach, aber offenen Seiten. 3×3 ist als Eventsport kreiert, wie damals Beachvolleyball. »Style und Coolness gehören einfach dazu«, meint Albersmeyer.

3×3 ist schnell, zwölf Sekunden Angriffszeit statt 24 wie beim Fünfer-Basketball. Je einen Punkt gibt es für Feldkörbe und Freiwürfe, zwei Punkte für einen Treffer hinter der sogenannten Distanzlinie. Das Spiel endet bei 21 Punkten vorzeitig oder nach zehn Minuten Spieldauer. Nach einem erzielten Korb oder verlorenen Ball geht es hinter die Distanzlinie und sofort mit neuen Attacken unter dem Korb weiter. Angriff und Abwehr im rasanten Wechsel – so ist das Spiel. Oder wie Albersmeyer sagt: »Basketball im Dauersprint.«

Diese neue Spielform hat mit der in der Basketballbundesliga (BBL) nichts mehr zu tun. Albersmeyer: »Der 3×3-Basketball ist im Vergleich zum konventionellen Fünf-gegen-fünf eine komplett andere Sportart mit anderen Spielzügen.« Ruppiger ist sie auch. »Es geht sehr tough zur Sache.« Shakehands gibt es nach dem Match trotzdem.

»Bei Erst- und Zweitligisten ist der 3×3-Basketball als Thema noch nicht richtig vorgedrungen«, bemängelt Albersmeyer. Es fehle an einer konzertierten Aktion zwischen Klubs und Verband. Das zeigt auch eine Umfrage bei BBL-Teams – nicht repräsentativ, aber unzweideutig. Thorsten Vogt, Pressesprecher des neunmaligen deutschen Meisters Brose Bamberg, auf jW-Nachfrage: »Stand heute: Wir haben nichts geplant und auch nichts in der Schublade.« Eine Vorreiterrolle werden die Oberfranken nicht übernehmen, sagt er, »aber schauen, ob sich dieser Basketballsport etabliert«. Vogt fragt, ob die Initiative von den Vereinen oder vom DBB ausgehen müsse – und bemerkt etwas spitzbübisch: »Vielleicht überträgt sich ja die Begeisterung von Uwe Albersmeyer auf die Vereine.«

Für den geschäftsführenden Gesellschafter der EWE Baskets Oldenburg, Hermann Schüller, liegt der Fokus auf dem breitensportlichen Integrationsprojekt »Streetball4Life« mit Flüchtlingskindern. Und im Leistungssport gelte die »ganze Aufmerksamkeit« dem klassischen Basketball des Bundesligisten. »Ein zusätzliches Team im 3×3 ist daher im Moment kein Thema«, sagt er auf jW-Anfrage.

Auch im Osten der Republik geben sich Klubverantwortliche reserviert. Martin Geissler, Geschäftsführer beim Mitteldeutschen Basketball Club (MBC): »3×3 ist noch kein Diskussionspunkt bei uns.« Um »modernere Zielgruppen« zu erreichen, sei diese Basketballvariante aber eine sinnvolle Überlegung.

Noch ist 3×3 nicht prestigeträchtig genug, und die Preisgelder sind zu niedrig, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (14.8.2018) mutmaßte. Albersmeyers Konsequenz: »Wir müssen speziell 3×3-Teams aufbauen.«

Seit 2007 pusht der Weltverband ­FIBA das Miniaturformat im Basketball: mit Turnieren, Regelwerk und Ranking. Die erste Deutsche Meisterschaft nach FIBA-Regularien organisierte der DBB 2012. Die diesjährigen German 3×3 Championships gingen im August in Hamburg über die Bühne, mitten auf der Reeperbahn. 48 Teams in vier Kategorien (Frauen, Männer, U18 weiblich und männlich) warfen um Punkte, Siege und Titel. Die Titelträger bei den Männern, künftig auch den Frauen, qualifizieren sich für die FIBA 3×3 World Tour. Und: Die Disziplin ist neu im Olympia-Programm – erster Auftritt: Sommerspiele 2020 in Tokio.

Drehscheibe für Aktive, Verbände und Veranstalter ist die Internetseite der FIBA (fiba3x3.com) mit kostenloser Software. Ergebnisse von nationalen und internationalen Events fließen in einer globalen Rangliste nach einem FIBA-Wertungssystem zusammen, für Teilnahme und Erfolge je nach Format gibt es Punkte. Der Abstand der deutschen Spieler zur Spitze ist groß: Der Beste der Weltrangliste, der Serbe Dusan Bulut, hat knapp 1,8 Millionen Punkte; der beste Deutsche, Rouven Hänig, 320.000, und der rangiert auf Platz 176.

Albersmeyer sieht den 3×3-Basketball als frisch gekürte olympische Disziplin auf einem guten Weg; olympischer Sport wird durch das Bundesinnenministerium gesponsert. Die Sportfördermittel wurden jüngst kräftig aufgestockt, 235 Millionen Euro sind es für das Haushaltsjahr 2019. Jetzt beginnen die Verteilungskämpfe, der DBB rangelt mit. Albersmeyer ist zuversichtlich: »Wir führen gute Gespräche um eine Regelförderung des 3×3.« Er braucht das Budget, er will schließlich richtig durchstarten.

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/343692.basketball-die-magische-zahl.html

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