Eine Frage des Logos. Gibt es begeistertere Konsumenten als Fußballfans? Die von Leeds United ärgern sich über das neue Vereinsemblem

Mit den Insignien eines Fußballklubs spielt man nicht. Schon gar nicht, wenn es um das Vereinslogo geht. Das bekommen nun die Kluboffiziellen des englischen Zweitligisten Leeds United zu spüren.

Hintergrund des Zoffs: Da hockt eine Kreativabteilung des Vereins samt Werbeagentur sechs Monate lang zusammen, befragt laut Eigenaussage 10.000 Interessierte und fängt sich dann für die Neugestaltung des Vereinsemblems einen gewaltigen Shitstorm ein. Zum 100jährigen Gründungsjubiläum im nächsten Jahr soll der Klub mit einem frisch designten Wappen auf dem Jersey auflaufen: Ein stilisierter Spieler in den Vereinsfarben Blau, Gelb und Weiß, der mit seinem rechten Arm waagerecht mit der Faust auf seine linke Brust hämmert. Das solle »Leidenschaft und Verbundenheit« zum Verein ausdrücken, erklärten die Klubmanager. Und zwar für mindestens die nächsten 100 Jahre.

Das ist den Designkritikern aus dem Vereinsumfeld entschieden zu lang. Der Entwurf erinnere sie in erster Linie an eine Verpackungsreklame eines Medikaments gegen Verdauungsbeschwerden, heißt es im Internet. Rasch setzten beherzte Fans eine Petition gegen den Etikettenschwindel auf, die innerhalb weniger Tage von mehr als 70.000 Anhängern unterzeichnet wurde.

Für die britischen Medien war der Clinch ein gefundenes Fressen. Für den Telegraph online zeigt Leeds United ein »absolut schreckliches« neues Vereinswappen. Der Daily Star meinte, nun habe Leeds-Besitzer Andrea Radrizzani »erstmals einen schweren Fehler« gemacht. Diverse Exprofis schalteten sich ein. Der langjährige Nationalspieler und jetzige BBC-Sportkommentator Gary Lineker twitterte: »Da bekomme ich schon beim Hinschauen Sodbrennen.«

Richtig nachvollziehbar ist der Aufreger um die neumodische Logokreation aber nicht. Denn die Halbwertszeit der Leeds-Klubwappen beträgt kaum mehr als ein paar Jahre. Die Spieler trugen seit der Vereinsgründung 1919 bereits zehn verschiedene Wappen auf der Brust. Das aktuelle Kürzel »LUFC« (für »Leeds United Football Club«) verweist nicht einmal auf die korrekte Klubbezeichnung »Leeds United Association Football Club«.

Dennoch, der Proteststurm der Fans zeigte in der vergangenen Woche Wirkung: Der in die Schusslinie geratene Mailänder Klubinhaber Radrizzani reagierte und zog das Werbevideo für das neue Logo aus dem Netz. In einem Statement kündigte das Management gegenüber dem aufgebrachten Fanmob in den sogenannten sozialen Medien an, nochmals die Anhänger zu konsultieren. Kleinlaut heißt es weiter: »Während der derzeitige Vorstand nur der Treuhänder von Leeds United ist, werden die Fans immer im Zentrum von allem stehen, was wir tun, und sie werden gehört werden.« Denn die Fans sollen ja die ganzen Merchandising-Artikel auch kaufen.

Die Fangemeinde als PR-Motor ist schon angesprungen. Dutzende Vorschläge kursieren in der virtuellen Welt, um dem Klub aus der Grafschaft West Yorkshire bei der Imagepflege zu helfen. Und einen weiteren Effekt hat die Debatte um das neue Leeds-Logo: Ulkige Vereinsembleme, deren graphische Gestaltung und inhaltliche Aussagekraft rätselhaft sind, stehen nun international auf dem Prüfstand. Ganz oben auf der Spottliste rangiert auch ein Emblem eines deutschen Fußballklubs: die HSV-Raute, das Markenzeichen des akut abstiegsbedrohten Bundesligisten Hamburger Sportverein.

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/326430.eine-frage-des-logos.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.