Freier Fall. Der älteste Fußballverein Österreichs, der First Vienna FC, wird noch unterklassiger – im laufenden Spielbetrieb

Zwangsabstieg! Der Traditionsklub First Vienna FC 1894 muss von der 3. Liga in die 5. Liga runter. Das wurde Ende November so beschlossen, aber nicht vom Österreichischen Fußballbund (ÖFB), sondern vom Obersten Gerichtshof Österreichs (OGH).

Der älteste Fußballverein Österreichs befindet sich damit im freien Fall. Zwar konnte der Bankrott verhindert werden, der Zwangsabstieg jedoch nicht. So richtig bergab geht es erst seit Januar dieses Jahres, als der Vereinsmäzen Martin Kristek verstarb und dessen Firma, der Billigstromanbieter »Care Energy« im Februar Konkurs anmeldete. Damit verlor der Klub seine ökonomische Basis für die drittklassige Regionalliga Ost in der Saison 2016/17. Ein Insolvenzverfahren folgte, und der Zwangsabstieg drohte. Dennoch konnte der Verein den Spielbetrieb bis Saisonende aufrechterhalten und die Tabellenspitze behaupten.

Daraufhin entbrannte zwischen dem Verein und dem ÖFB ein Rechtsstreit um den Zwangsabstieg in die 4. Liga, die Wiener Stadtliga. Die Klubführung konnte dies in der ersten Instanz mit einer einstweiligen Verfügung aufschieben – mit dem bemerkenswerten Argument, die für jede Saison vom ÖFB neu festgelegten Richtlinien seien »gesetzwidrig und nichtig«. Bei einem Insolvenzverfahren eines Vereins sehen sie den Zwangsabstieg vor. Nach Ansicht des Verbandes ist das eine zulässige Disziplinarmaßnahme im Rahmen des laufenden Spielbetriebs, um schlecht wirtschaftende Klubs zu sanktionieren.

Der Antrag auf Aufschub des Zwangsabstiegs wurde Monate später vom Landgericht kassiert. Dagegen ging der Verein wiederum vor. Mit dem OGH-Beschluss aus dem November 2017 wurde nun die Position des Landgerichts bestätigt. Der Zwangsabstieg ist besiegelt – vorerst. Doch der komplexe Rechtsstreit um die Auslegung von Verbandsklauseln könnte in eine weitere Runde gehen. Der OGH hat lediglich den Aufschub des Zwangsabstiegs verneint. Das von der Klubführung avisierte Hauptverfahren, ob der Zwangsabstieg rechtens ist oder nicht, steht noch aus. Trotz des offenen Ausgangs des Verfahrens muss die Vienna sofort bis in die 5. Liga runter. Zur Zeit wird sie noch auf Platz 13 in der Regionalliga Ost gelistet – mitten in der Winterpause.

Gerhard Krisch, Geschäftsführer der Vienna, sagt zum OGH-Beschluss: »Wir nehmen die Entscheidung des OGH zur Kenntnis«. Er verspricht »zeitnah« die Entwicklung einer Strategie. Die sportliche Entwicklung ist ein Desaster. In den 1930er bis 1950er Jahren war die Vienna ein Topteam: sechs Landesmeistertitel, zuletzt 1955, und drei Pokalsiege stehen in der Vereinschronik. Bis 1968 spielte der Klub fast durchgehend erstklassig, danach war er eine typische Fahrstuhlmannschaft. In den 1980er Jahren streiften namhafte Spieler den blau-gelben Vienna-Dress über: Hans Krankl, Andreas Herzog oder der neue Trainer von Borussia Dortmund, Peter Stöger. 1992 verabschiedete sich der Klub aus dem Oberhaus.

Wie geht es weiter? Krisch übt sich in Zweckoptimismus und will den »Erfolg zurückbringen«. Ob die Spieler den Gang zwei Ligen tiefer mitgehen, ist sehr fraglich. Und die Fans? Der bekannte österreichische Physiker und Vienna-Fan Georg Steinhauser schreibt in einem Facebook-Eintrag: »Zu ärgerlich: da wären sie besser sofort abgestiegen und hätten dort sofort am Aufstieg gearbeitet. Wer hat ihnen denn eingeredet, dass die Berufung Aussichten auf Erfolg hat?! Jetzt sind wir noch eine Saison länger weg vom Fenster. Saudumme Aktion der Vereinsführung.«

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/323365.freier-fall.html

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