Fritz unterm Hammer. Der Nachlass von Fußball-Legende Fritz Walter wird versteigert. Fans sprechen von »Schande«

Er war Ehrenspielführer der deutschen Nationalelf, Kapitän beim Berner Weltmeisterwunder von 1954: Friedrich »Fritz« Walter. Die Urlegende des 1. FC Kaiserslautern schlug zeitlebens lukrative Angebote solventer Vereine aus dem Ausland mit dem Spruch »Dehäm is dehäm« aus. Walter kickte in 31 Jahren 384mal für den FCK, erzielte 327 Tore als Halbstürmer. 2002 starb er, 81jährig.

Nun sollen am 16. Februar Reliquien seiner Fußballkarriere bei einem Heidelberger Auktionshaus unter den Hammer kommen. Es geht um etwa 1.000 Einzelstücke, aufgeschlüsselt in knapp 300 Posten. Darunter sind die goldene Weltmeisteruhr, der Spielerausweis der 54er WM oder die Totenmaske Walters mit den Angaben: »Gips, Hohlform, goldfarben, L 24 cm, mit Nachlassetikett.« Dazu diverse Ehrennadeln, Plaketten und Pokale unterschiedlicher Legierung, Urkunden und Fotos, manche knickspurig und mit leichtem Abrieb. Alle Startpreise liegen bei 20 Euro.

Die Fangemeinde des FCK ist entrüstet – einige toben vor Wut, sprechen in den sogenannten sozialen Medien von »Schande«. Fans versuchen über ein Crowdfunding Geld aufzutreiben. Sie wollen beim Bieten mithalten. Ergatterte Stücke sollen ins Klubmuseum des 1985 nach Fritz Walter umbenannten Stadions am Betzenberg. Vom Verein, mit dem er 1951 und 1953 Deutscher Meister wurde, ist nichts zu erwarten. Der FCK ist chronisch klamm, der Drittligist bangt gerade um seine Lizenz.

Für Hagen Leopold, Memorabilienexperte und eingefleischter FCK-Fan, hat die Posse um den Nachlass eine Vorgeschichte. Gegenüber jW sagt er: »Fatal ist, dass zu Lebzeiten von Fritz weder der DFB noch die Fritz-Walter-Stiftung etwas unternommen haben, um dessen sportliches Erbe zu sichern.« Leopold beklagt auch die Inaktivität des früheren Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck (SPD), der bis 2010 im Stiftungsvorstand saß.

Walter und seine Gattin blieben kinderlos. Testamentarischer Alleinerbe ist Bernd Lutzi, ein alter Freund, der ihn bis zum Tod pflegte. In Walters Bungalow in Enkenbach-Alsenborn verwaltete Lutzi ein Fritz-Walter-Museum. Der 77jährige kann es nicht mehr betreiben – das Alter, die Gesundheit. Und wollte den Nachlass schon Ende 2017 verkaufen, vergeblich. Die kolportierten 150.000 bis 200.000 Euro waren für Interessierte zuviel.

Noch vor Jahren, so Leopold, wäre Walters Gesamterbe für weit weniger zu haben gewesen. Nur: »Niemand hatte sich gerührt.« Jetzt sprang das Auktionshaus ein. Aber Leopold hat einen Verdacht: »Der angebotene Nachlass ist inkomplett.« Und fragt: »Wo ist die WM-Goldmedaille von 1954?«

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/347903.fu%C3%9Fball-fritz-unterm-hammer.html

2 Kommentare

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