Ganz schön souverän. Im Faustball sind die deutschen Frauen das Nonplusultra. Zum sechsten Mal holten sie sich den WM-Titel

Faustball ist ein kampfbetoner, aber kontaktloser Teamsport: Fünf gegen fünf auf 50 mal 20 Metern, mit virtuosen Ballstafetten und akrobatischen Hechtsprüngen. Seit 1994 gibt es die Frauen-WM im Faustball, vom 24. bis 28. Juli wurde heuer die achte Weltmeisterschaft im österreichischen Linz ausgetragen. Endspielpaarung: Deutschland gegen die Mitfavoritinnen aus der Schweiz. 4:1 (11:9, 10:12, 11:7, 11:6, 11:1) hieß es am Ende für die deutschen Spielerinnen um Teamchefin Silke Eber, die damit zum sechsten Mal Weltmeisterinnen wurden. Eber zum Finalausgang gegenüber jW: »Wir mussten spielerisch an unser absolutes Limit gehen.«

Faustball ist als Rückschlagspiel, obwohl eine Ballsportart, im Deutschen Turnerbund (DTB) integriert. Das kam so: Turner spielten Faustball während der Wettkampf- oder Trainingspausen als Ausgleichssport. Auf dem VI. Deutschen Turnfest 1885 in Dresden wurde der Sport erstmals einem breiten Publikum vorgestellt. Und da jeder Sport mit Wettkampfcharakter ein Reglement braucht, legte der Münchner Sportlehrer Georg Heinrich Weber ein knappes Jahrzehnt später ein ebensolches vor. Seitdem spielen Menschen Faustball in der heute bekannten Form.

Faustball sieht ein bisschen aus wie Volleyball – allerdings mit einem Teamspieler weniger auf dem Feld. Es gibt weitere Unterschiede, so rotiert das Team etwa nicht nach einem Aufschlagwechsel in den Positionen. Auch darf der Ball den Boden einmal berühren bevor er entweder gepasst oder über das an der Mittellinie in zwei Metern Höhe angebrachte Band geschlagen wird. Spätestens der dritte Spieler muss den Ball in das andere Halbfeld bugsieren. Und: Kein Baggern, kein Pritschen – Faustballer spielen den Ball im Gegensatz zu den Volleyballern nur mit einem Arm. Die Spieler schlagen den Ball mit der Innenseite der Faust und wehren diesen bei gegnerischen Angriffen in der Regel mit dem Unterarm ab. Bei Liga- und Vorrundenspielen internationaler Wettbewerbe geht’s über zwei Gewinnsätze bis elf Punkte mit mindestens zwei Punkten Vorsprung. Bei maximal 15 errungenen Punkten endet ein Satz, weshalb ganz enge Sätze 15:14 ausgehen können. In Finals spielen die Kontrahenten vier Gewinnsätze aus.

Für die WM stampften freiwillige Helfer extra eine mobile Arena auf dem Gelände des Schulzentrums von Linz-Auhof aus dem Boden. Zwei Tribünen längs, eine hinter dem Court. Eine Gerüstkonstruktion mit metallenen Stehrängen und Kunststoffstühlen auf verschraubten, braun lackierten Holzspanplatten. Platz für 2.300 Zuschauer. Am Finaltag war es voll, fast ausverkauft.

Erschöpft, aber glücklich zeigte sich der seit 2011 amtierende Präsident des Internationalen Faustballverbands (IFA), Karl Weiß, und sagte gegenüber jW: »Organisatorisch liefen die Titelkämpfe reibungslos.« Die Entwicklung des Faustballs sei international positiv.

Die deutschen Faustballerinnen gaben bis zum Halbfinale keinen einzigen Satz ab und marschierten ins Endspiel durch. Die Schweizerinnen dagegen verloren in der Vorrunde gegen den letztmaligen Vize-Weltmeister Brasilien und in der sogenannten Double-Elimination-Runde gegen die deutsche Auswahl. Das Team des Schweizer Trainers Anton Lässer profitierte von diesem Spielmodus, bei dem erst zwei Niederlagen in den Vorschlussrunden das Aus bedeuten. Mit einem hart umkämpften 3:2-Sieg über Gastgeber Österreich zog man ins Finale ein. Dort war aber Schluss. Sonja Pfrommer, die deutsche Kapitänin, weiß auf jW-Nachfrage warum: »Unsere geschlossene Mannschaftsleistung war heute ausschlaggebend.«

Für viele Faustballfans war der knappe deutsche 3:2-Halbfinalsieg gegen Brasilien das vorweggenommene Finale. Das will Trainerin Eber trotz der hohen Qualität beider Teams so nicht stehen lassen: »Die Schweizerinnen haben sich bis ins Finale durchgebissen.« Ihr Pendant Lässer hat gegenüber jW eine freundschaftliche Kampfansage parat: »Ihr sollt unser junges Team erst einmal in ein, zwei Jahren sehen.«

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/337024.ganz-sch%C3%B6n-souver%C3%A4n.html

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