Konditionen und Kontrolle. Krach in der Gemeinde: Klaus Blank tritt als Präsident des Deutschen Rugbyverbandes nach Drohungen zurück

Üble Nachrede, Dauerquerelen und nun auch noch persönliche Drohungen: In der deutschen Rugbyszene geht es nicht besonders gentlemanlike zu. Seit dem Herbst eskaliert der Streit zwischen dem Deutschen Rugbyverband (DRV) und der Wild Rugby Academy (WRA) des Milliardärs Hans-Peter Wild. Das ist der Mann, der Capri-Sonne, das Getränk im sogenannten Standbodenbeutel, das seit letztem Jahr auch hierzulande Cap ri-­Sun heißt, weltweit durchsetzte.

Vorläufiger Höhepunkt im Streit war der Rücktritt des DRV-Präsidenten Klaus Blank Ende vergangener Woche. Nachdem er telefonisch bedroht worden sei, »ist nun für mich persönlich das Ende des Weges erreicht«, erklärte er verbittert. Blank hatte »die Rückendeckung von 80 Prozent der Verbandsmitglieder«, schätzt Benedikt Leibold, Abteilungsleiter der TG 1875 Darmstadt. Doch der Chef des größten DRV-Landesverbandes Baden-Württemberg, Claus-Peter Bach, meint statt dessen gegenüber jW: »Kein Rugbyklub aus meinem Bundesland hätte sich für eine Wiederwahl Blanks starkgemacht.«

Was war geschehen? Im vergangenen Sommer konnten sich DRV und WRA auf keine Verlängerung eines Kooperationsvertrages einigen. Strittig waren vor allem Vermarktungsrechte des »Premiumsponsors« Capri-Sun für die deutsche 15er-Nationalmannschaft. Deren Spieler sind größtenteils bei der WRA-Tochter »Gesellschaft zur Förderung des Rugbysports« (GFR) angestellt, nicht als Rugbyprofis, sondern als Bürokräfte oder Trainer. Im November krachte es dann. Vor dem Länderspiel gegen Chile traten die GFR-Spieler in einen Streik. Dem DRV warfen sie mangelnde Professionalität vor. Außerdem fühlten sich die Spieler der 15er-Variante im Rugby gegenüber jenen der olympischen 7er-Variante benachteiligt, da die von der Sportförderung durch das Bundesinnenministerium profitieren. Wild polterte aus seiner Heidelberger Capri-Sun-Zentrale: »Die Grundhaltung des DRV, dass ich bezahlen soll und die Funktionäre kassieren, ist für mich nicht akzeptabel.«

Mitte Januar vollzog der DRV den Bruch in einer Presseerklärung: »DRV und Wild Rugby Academy gehen getrennte Wege«, hieß es da. Die WRA warf dem Verband daraufhin eine »Intransparenz der Finanzströme« vor. Was damit konkret gemeint sei, wollte auf jW-Nachfrage bei der WRA niemand erläutern. Da sei auch nichts dran, betont Mark Temme, Präsident des Berliner Rugby Clubs: »Es gibt keinen Finanzskandal beim DRV.«

Der DRV verbreitete seinerseits ein 70seitiges Dossier, in dem der Wandel des Hans-Peter Wild vom Mäzen zum Investor geschildert wird, auch die »Eigeninteressen, Kommunikationsmängel und Managementdefizite« seines Stabs. Finanzielle Interessen habe Wild allerdings nicht, meint der Darmstädter Leibold. Vielmehr sei ein anderer Punkt entscheidend: »Wild will ein Monopol auf alle guten Spieler, er will die Konditionen bestimmen, wie, wo und wann sie eingesetzt werden.« Um Kontrolle ginge es.

Wild ist dafür bekannt, dass er keinem Clinch ausweicht. Das bekam vor einigen Jahren der SAP-Gründer und Mäzen der TSG 1899 Hoffenheim Dietmar Hopp zu spüren – ein Ex-Duzfreund Wilds. Beide rangelten um ein Grundstück in Eppelheim, auf dem Hopp die Fußballarena für die TSG bauen wollte. Wild intervenierte, erhielt den Zuschlag fürs Areal vom Landkreis, und Hopp musste nach Sinsheim ausweichen.

Wer beendet die Hakelei zwischen DRV und WRA? Auf dem »Außerordentlichen Deutschen Rugbytag« Ende Januar in Hannover wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die eine Neuauflage der Kooperation zwischen beiden Lagern ausloten soll. »Mehr als eine Absichtserklärung ist das aber bislang nicht«, sagt der Berliner Temme. Deshalb fehlten am vergangenen Samstag in Transsilvanien beim ersten Spiel der WM-Qualifikation gegen Rumänien auch die Spieler, die bei Wild unter Vertrag stehen. Die Rumänen gewannen 85:6. Morgen geht es dann in Offenbach gegen Georgien.

Dass die Spieler mit Anstellungsverhältnis bei der GFR, die der DRV für die Nationalmannschaft im 15er-Rugby nominiert, nicht antreten, ärgert den Verband. Vor allem die Gebühr, die Wild für die Freistellung fordert: »Es ist völlig unüblich, dass Kompensationszahlungen für freigestellte Spieler verlangt werden können«, sagt Bach vom Rugbyverband Baden-Württemberg. Das sieht auch DRV-Sportdirektor Manuel Wilhelm so, »zumal wir eine Gebühr in Höhe der geforderten 2.000 Euro wöchentlich pro Spieler einfach nicht bezahlen können«.

Die Spieler wollen aufs Feld – sie seien aber in einer »Loyalitätsklemme« und ökonomischen Abhängigkeit, sagt Denis Frank, Chefredakteur des größten deutschen Rugbyportals Totalrugby. »Viele der Konflikte sind auf persönliche Animositäten zurückzuführen«, meint er. Und die sind bekanntlich am schwersten zu überwinden.

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/327407.konditionen-und-kontrolle.html

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