Neues vom Untergrund. Es gibt jetzt die ersten Deutschen Meister im Snow-Volleyball (und in Fußballschuhen)

Hätten Sie’s gewusst? Volleyball gibt es auf Hallenparkett, am Sandstrand und nun auch im Kunstschnee. Trend- und Funsportarten gibt es schon viele. Ersonnen werden sie meistens von sogenannten jungen Kreativen abseits der Lohnarbeit. So auch hier: Zwei Studierende aus Österreich kamen 2008 auf die in einem Wintersportland naheliegende Idee, dass Volleyball doch bestimmt auch im Schnee gespielt werden könnte.

Aber ist das mehr als nur eine hippe Freizeitbeschäftigung? Fragt man Lars Gäbler, Pressesprecher des Deutschen Volleyball-Verbands (DVV), sagt er: »Snow-Volleyball ist ein ernstgemeinter Sport.« Die Entwicklung erinnere ihn an die des Beach-Volleyballs, das anfangs als Sandkastenspiel belächelt wurde und heute nicht nur olympisch ist, sondern in der Spitze ein Turniersport von Profis. Hildebrand macht zudem klar: »Der Event-Charakter des Snow-Volleyballs soll keinesfalls den Leistungssportgedanken überlagern.«

Am vergangenen Wochenende fanden nun die ersten Deutschen Meisterschaften im Snow-Volleyball der Frauen und der Männer im sauerländischen Winterberg am Sahnehang statt. Bei den Frauen setzten sich in den Zweierduellen Lena Overländer und Karoline Fröhlich gegen Constanze Bieneck und Anna-Lena Vogt klar mit 3:0 Sätzen durch. Bei den Männern behielten Paul Becker und Jonas Schröder gegen Danny Richter-Darge und Dennis Kliche die Oberhand – sie gewannen ebenfalls mit 3:0. Es siegten Teams, die nicht auf dem Merkzettel standen. »Das zeigt, dass auf einem neuen Untergrund Spieler, die nicht zu den Favoriten zählten, für Überraschungen sorgen können«, bilanzierte hinterher Niclas Hildebrand, Sportdirektor für den Beach- und Snow-Volleyball beim DVV, gegenüber dieser Zeitung.

2016 hatte der DVV die Schneevariante des Volleyballs offiziell anerkannt, ein Jahr zuvor bereits der Europäische Volleyball-Verband (CEV). Das Regelwerk auf dem 16 mal acht Meter breiten Court orientiert sich an dem des Beach-Volleyballs mit je zwei Akteuren pro Team. Die Teilnehmer wurden seitens des DVV auf der Basis der Ranglisten im europäischen Snow-Volleyball und des deutschen Beach-Volleyballs zusammengestellt. Der DVV-Pressesprecher sagt zur Grundmotivation der Sportler: »Die Teams wollten die historische Chance nutzen, als erste Deutsche Meister im Snow-Volleyball in die Annalen einzugehen.«

Das Bild, wonach alternde, unbekannte Volleyballer in den Schnee wechseln müssen, um überhaupt siegen zu können, sei schief, meint Gäb­ler. »Auch wenn die Athleten vielleicht nicht mehr alle oben mitspielen können, versammelten sich in unserem Teilnehmerfeld ambitionierte und arrivierte Sportler.« Marcus Popp zum Beispiel, der allerdings mit seinem Partner Benedikt Doranth im Viertelfinale ausschied. Popp trug 136mal den Dress der Nationalmannschaft und wurde 2005 in der Halle mit dem VfB Friedrichshafen Deutscher Meister.

Interessant ist, dass die Snow-Volleyballer »ihr Schuhwerk den Fußballern entliehen haben«, wie Gäbler betont. Die guten alten »Copa Mundial« von Adidas bewährten sich auch diesmal im Wettkampf.

Der DVV verfolgt einen Plan: Perspektivisch soll auch Snow-Volleyball olympisch werden – und zum Quotenhit wie Beach-Volleyball. Der Volleyball-Weltverband (FIVB) unterstütze das Vorhaben, verrät Gäbler. Die Snow-Volleyballvariante könnte also bald schon als Demonstrationssportart bei Olympischen Winterspielen uraufgeführt werden.

Wie geht es kurzfristig weiter? Die Gewinner in Winterberg sind automatisch für die erste Europameisterschaft vom 23. bis 25. März in Wagrain-Kleinarl im Salzburger Land qualifiziert. Das ist der Ort, an dem die beiden Studenten auf einer Skihütte eine neue Sportart erfanden. Hildebrand gibt die Marschroute vor: »Wir wollen um die EM-Titel mitspielen.«

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/327706.neues-vom-untergrund.html

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