Nordost durch vier. Fußballregionalliga der DDR-Traditionsklubs soll zerschlagen werden

»Für den Erhalt der Regio-Nordost« stand am vergangenen Sonnabend im altehrwürdigen Bruno-Plache-Stadion auf einem 15 Meter langen Banner vor dem Block der Ultras von Lok Leipzig. Es war der 23. Spieltag in der Regionalliga Nordost. Zu Gast war DDR-Serienmeister BFC Dynamo. 2020 könnte mit dieser Liga Schluss sein.

Das Regelwerk der Regionalliga ist unangenehm kompliziert, allein der Auf- und Abstiegsmodus. Zur vierthöchsten Spielklasse im deutschen Männerfußball wurde sie 2008. Vier Jahre später wurde sie aufgestockt, aus drei Staffeln (Nord, Süd, West) wurden fünf (Bayern, Nord, Nordost, Südwest, West). Damit änderte sich auch die Aufstiegsregel. Welche drei Teams in Liga drei aufsteigen, wurden fortan zwischen den fünf Regionalligameistern und dem Vizemeister der vereins- und mitgliederstärksten Liga (aktuell Südwest) ermittelt, in einer Aufstiegsrunde mit Hin- und Rückspielen.

Oft wurde seither moniert, dass eine Meisterschaft noch nicht den Aufstieg bedeutet. Für die laufende Saison beschloss der DFB eine vorläufige Änderung: Vier Klubs steigen in die dritte Liga auf, die Regio-Meister Südwest und Nordost direkt. Dazu der West-Meister – das wurde ausgelost. Die beiden anderen Meister (Bayern, Nord) kicken in Hin- und Rückspiel um den vierten Aufstiegsplatz.

In der Saison 2019/20 gehen drei direkte Aufstiegsplätze an die Meister Südwest, Bayern und Nord, die Tabellenersten Nordost und West müssen in die Relegation. Alles nur eine Zwischenlösung. Auf dem DFB-Bundestag Ende September soll endgültig über die Reduzierung der Regionalligen von fünf auf vier entschieden werden, damit alle Meister direkt aufsteigen können, wie Rainer Koch, DFB-Vizepräsident und Präsident des Bayerischen Fußballverbands, auf jW-Nachfrage bestätigte. Kern der Reformidee: Die Teams aus der Liga Nordost, also aus dem Gebiet der DDR, sollen auf die Ligen aufgeteilt werden, die ihnen geografisch am nächsten sind. Dafür müsste auch die Bayernliga, die neben der Regionalliga West (NRW) mit den Grenzen eines Bundeslandes übereinstimmt, um Mannschaften aus Sachsen und Thüringen erweitert werden. Koch: »Allen bayerischen Vereinen ist bewusst, dass bei einer Ligareform auf vier Regionalligen mehrere Vereine nicht mehr in der vierthöchsten Klasse spielen würden.«

Auf der jüngsten Konferenz der Drittligisten sprachen sich 19 von 20 Vereinen für die Zerschlagung der Regionalliga Nordost und eine viergeteilte Liga aus. Selbst Vertreter der Ostklubs Jena, Zwickau, Rostock und Halle votierten dafür. Nur Energie Cottbus gab Kontra. Die Cottbusser erkannten in der Reformidee laut einer Mitteilung vom 22. Februar einen »deutlichen Nachteil für die im Gebiet des Nordostdeutschen Fußballverbandes beheimateten Klubs«. Zudem würde durch den Wegfall der Derbys »die Attraktivität der Liga in unseren Augen deutlich an Wert verlieren«.

Widerspruch kommt auch von Regionalligisten und Verbänden. Jürgen Neumann, Präsident des Bischofswerdaer FV, betonte gegenüber jW: »Der BFV distanziert sich von den jüngsten Vorschlägen des DFB, da sie das Ende des Amateursports in der 4. Liga bedeuten würden.« Allein schon wegen der Entfernungen: »Sind die Wege in der Regio West und Südwest wegen der Ballungsgebiete eh schon kürzer, sollen nunmehr die Klubs aus dem Nordosten bis zu 800 Kilometer lange Auswärtsfahrten zurückgelegen.« Das sei im Amateursport organisatorisch und finanziell nicht machbar und längst nicht das einzige: »Wir hätten faktisch ständig Montagsspiele.« Das lasse die Fankultur sterben, meint Neumann.

Ähnlich äußerte sich Holm Pinder, Vizepräsident des ZFC Meuselwitz, gegenüber jW: »Wir sind für den Erhalt der Regionalligen Nordost, Nord und Bayern. Dafür würden wir auch Relegationsspiele in Kauf nehmen.«

Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) ist für den Erhalt seiner Regionalliga und favorisiert ein Modell, »wonach die Staffeln West und Südwest jeweils einen direkten Aufsteiger stellen und Bayern, Nord und Nordost zwei Aufsteiger unter sich ausspielen«, wie NOFV-Präsident Erwin Bugar dem Kicker sagte (Ausgabe vom 28.2.). Jens Kaden, Präsident des Landesverbands Brandenburg, erklärte auf jW-Anfrage: »Ich kann den derzeitigen Vorschlag mit der Reduzierung der Regionalliga auf vier Staffeln nicht unterstützen.«

Ende März will der NOFV dem DFB einen eigenen Beschluss für die Ligareform übermitteln. Dazu treffen sich am 19. März alle Dritt- und Regionalligisten aus den Regionen Bayern, Nord und Nordost in Peissen bei Halle. Nach Koch sei eine klare Position der ostdeutschen Vereine erforderlich. Nur: Ein konsensfähiger Vorschlag scheint nicht in Sicht – eher ein Showdown.

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/350612.fu%C3%9Fball-nordost-durch-vier.html

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