»Rechte machen Politik gegen die Interessen der Cottbuser«. 1. Mai in der Lausitz: Linke Gruppe »Unisono« lädt zur Veranstaltung ins »Strombad«. Ein Gespräch mit Adam Schulz*

Sie sind in der Gruppe »Unisono – Cottbus gemeinsam bewegen« aktiv. Wohin wollen Sie wen bewegen?

Aus unserer Sicht müssen wir alles versuchen, um die Massen wieder zu erreichen. Das bedeutet, sich als Linke deutlich stärker auf die soziale Frage auszurichten. Unsere Stoßrichtung als »Unisono« ist eindeutig: Mit der Perspektive einer solidarischen Stadt zielen wir darauf ab, dass unsere Klasse geeint agiert, über kulturelle und soziale Barrieren hinweg. Damit grenzen wir uns auch klar gegen die von den Rechten betriebene soziale Spaltung ab. Die Rechten gehen auf Stimmenfang, ohne die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern. Sie setzen die etablierte reaktionäre und neoliberale Politik radikal fort – im Endeffekt gegen die Interessen der Cottbuser.

Ist die Stadt ein schwieriges Pflaster für Ihre Arbeit?

In Cottbus ist es seit 1990 nicht leicht, linke Politik umzusetzen. Die Gegenseite ist seit Jahren sehr präsent. Allerdings gibt es seit 2015 eine neue Qualität der rechten Dominanz in der Stadt. Faschistische Schlägertrupps beanspruchen bis heute das Gewaltmonopol auf der Straße. Die NPD schaffte es zwar ins Kommunalparlament, hat aber nie im großen Stil mobilisieren können. Heute gelingt es dem rechten Netzwerk um »Zukunft Heimat« und AfD, teilweise bis zu 2.000 Menschen in Cottbus auf die Straße zu bringen.

Nach der Großrazzia im April wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung nach Paragraph 129 StGB gegen Neonazinetzwerke stand Cottbus wieder in den Schlagzeilen. Wie organisiert sind militante Neonazis und rechte Hooligans vom FC Energie Cottbus?

In der Stadt und Region gibt es gut organisierte Strukturen faschistischer Kräfte. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, sie sind der Kristallisationspunkt der Szene in Ostdeutschland. Aber auch einige unserer Mitstreiter besuchen regelmäßig Energie-Spiele. Sie wollen den Verein unterstützen und den Faschisten nicht das Feld überlassen. Am 1. Mai werden wir zeigen, wie ein anderes Cottbus aussehen kann. Die öffentlichen Räume in den Vierteln, im Stadion und im Rest der Stadt müssen wir uns zurückholen.

In Ihrem 1.-Mai-Aufruf »Solidarität statt Spaltung« sagen Sie, dass die soziale Spaltung im Kleinen anfange und sich im Großen fortsetze. Was heißt dann Solidarität im Kleinen – und im Großen?

Im Kleinen heißt für uns, sich untereinander nicht als Konkurrenten zu sehen, etwa auf der Arbeit oder im Jobcenter. Wir müssen die neoliberale Agenda, die auf Vereinzelung setzt, entschieden bekämpfen. Eine handlungsfähige soziale Kraft in Cottbus und der Region kann eine Signalwirkung haben, wird aber nicht das System als Ganzes ins Wanken bringen. Der Widerspruch zwischen gesamtgesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung, das heißt zwischen Arm und Reich, lässt sich nicht allein in Cottbus lösen – logisch. Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass wir die vielen Kämpfe – ob in der Pflege, in der Kita, im Krankenhaus oder bei den Kumpels im Bergbau – nur gemeinsam bestreiten können. Und auch dafür, dass uns der vom deutschen Spardiktat gebeutelte griechische Arbeiter viel nähersteht als der Chef der Lausitz Energie AG.

Ihr Veranstaltungsort für den 1. Mai ist das Kulturzentrum »Strombad«, das im vergangenen Jahr vor der Schließung stand. Sie haben die Kampagne »Strombad für alle« unterstützt. Was macht diesen Ort aus?

Er ist seit vielen Jahren ein wichtiger Treffpunkt für Linke. Aber auch für Menschen, die sich an anderen Orten in Cottbus nicht sicher fühlen oder denen die Kohle fehlt, um sonst am öffentlichen Leben teilnehmen zu können. Als das Gelände geschlossen werden sollte, war der Zusammenhalt groß und die Unterstützung vielfältig. Die Cottbuser haben erfolgreich dafür gekämpft, das Strombad als einen Freiraum zu erhalten. Einen Freiraum praktischer Solidarität, den wir nun noch mehr Menschen zugänglich machen wollen.

Adam Schulz* ist aktiv bei »Unisono – Cottbus gemeinsam bewegen« (*Pseudonym)

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/353871.kampf-gegen-rechts-in-cottbus-rechte-machen-politik-gegen-die-interessen-der-cottbuser.html?fbclid=IwAR2yAk0C7nRG6x76VGJdnIAoSTrGZhpogdcRg-_B9G_BzPOzTJz9ZGXY-1A

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