Stückelei in Liga zwei. Die Fußballzweitligisten diskutieren zusätzliche Anstoßzeit, es droht Termin Nummer fünf

Das waren noch Zeiten: Samstag nachmittag alle Spiele in der ersten Bundesliga, sonntags die aus Liga zwei. Und geguckt haben Millionen Woche für Woche die Zusammenfassungen in der ARD-»Sportschau«. Eine Anstoßzeit pro Liga, eine Hauptsportsendung – alles schön übersichtlich, alles schon lange her.

Seitdem Geldgeber den Anpfiff beeinflussen, gibt es zerstückelte Spieltage – nicht nur im Oberhaus, auch im Unterhaus. Der Spieltag der Zweitligisten ist derzeit gevierteilt: Freitag (18.30 Uhr), Samstag (13.00 Uhr), Sonntag (13.30 Uhr) und Montag (20.30 Uhr). Und das ist möglicherweise noch nicht alles.

Die Diskussion um Spielansetzungen im Unterhaus ist neu entbrannt, ausgelöst durch eine Schlagzeile in Sport-Bild am Dienstag voriger Woche: »2. Liga stimmt für neue Anstoßzeit!« Mit der Unterzeile: »Konkret geht es um den Samstagabend nach 20 Uhr.« Liga zwei zur Primetime ­also. Der Hintergrund: Auf der Konferenz der Deutschen Fußballiga (DFL) in Frankfurt am Main am 12. Oktober hatten Vertreter der 18 Zweitligisten über eine mögliche Neuordnung des Zweitligaspieltags diskutiert.

Der Bericht löste Wirbel aus – Wirbel, der offenbar vermieden werden sollte. Eine Indiskretion, die nicht allen Vertretern von Zweitligisten gefällt. Einer, der ungenannt bleiben will, sagt gegenüber jW: »Das ist überhaupt nicht super, dass das öffentlich wurde, zumal noch nichts spruchreif ist.« Gelassen reagiert dagegen Martin Haltermann, Pressesprecher beim MSV Duisburg, im Gespräch mit jW: »Kein Drama.«

Dennoch, die Debatte um einen Zusatztermin im Spielkalender ist diffizil. Jens Fricke, Pressesprecher des VfL Bochum, sagt etwa: »Unsere Position dazu ist klar: Weder werden wir die DFL-internen Diskussionen öffentlich kommentieren noch eine Bewertung vornehmen, solange kein Beschluss vorliegt.« Und der Medienbeauftragte aus Aue vom FC Erzgebirge, Peter Höhne, wirsch: »Das Samstagabendspiel in der zweiten Liga ist ganz weit weg, niemand sagt, dass das morgen schon stattfindet.« Die Meldung, nur aufgeblasen? »Das will ich so nicht kommentieren.« Klar ist, DFL-Geschäftsführer Christian Seifert soll von den Vereinen einen Handlungsspielraum erhalten – für den Vertragspoker um die TV-Rechte 2021/22.

Die vereinsinterne Diskussion hat einen Nebeneffekt: Der Spieltermin am Montagabend steht wieder zur Disposition. Der 1. FC Union Berlin, aber auch Jahn Regensburg plädieren für die Abschaffung des Montagsspiels. »Der Samstagabend könnte die Alternative zum Montag sein«, zitierte der Tagesspiegel jüngst Union-Präsident Dirk Zingler. Anders Markus Krösche, Geschäftsführer des SC Paderborn: Der kann sich Spiele am Samstagabend vorstellen, unter Beibehaltung des Montagsspiels. »Grundsätzlich geht es darum, die 2. Bundesliga wettbewerbsfähig und einer breiten Masse zugänglich zu machen«, sagte er unlängst der Tageszeitung Neue Westfälische. Matthias Hack, Pressesprecher der Paderborner, bestätigt auf jW-Nachfrage, die »Marke Zweite Bundesliga« über attraktive Spieltermine stärken zu wollen. Das Montagsspiel unter Flutlicht sei nach 25 Jahren zu einer »gewissen Institution« geworden, gibt Haltermann vom MSV zu bedenken. Fakt ist: Einen »Exklusivtermin« wollen alle. Die Schatzmeister der Klubs erhoffen sich Extraeinnahmen durch TV-Gelder. Haltermann: »Natürlich sind TV-Gelder ein ganz wichtiger Posten im Budget.«

Fans würden seitens der Klubführung in Entscheidungsprozesse einbezogen, heißt es oft. Haltermann bejaht das. Man werde ein »umfassendes Stimmungsbild« einholen. Und dann den potentiellen finanziellen Ertrag eines neuen Spieltermins in Relation zu den Faninteressen setzen. Die Kürze des abendlichen Anreisewegs sei wesentlich. Haltermann nennt ein Beispiel: »3.000 MSV-Anhänger sind beim 2:1-Auswärtssieg am 8. Oktober in Köln gegen den ›Effzeh‹ im Stadion gewesen.« Reicht das? Reaktionen aus der aktiven Fanszene stehen noch aus.

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/342761.fu%C3%9Fball-st%C3%BCckelei-in-liga-zwei.html

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