Vienna Dope

Dem viertklassigen SC Wiener Viktoria ist ein PR-Coup gelungen. Mitte Dezember präsentierte der Klub von Trainer Toni Polster, dem Ex-Goalgetter des 1. FC Köln, einen neuen Hauptsponsor: den größten österreichischen Produzenten von Hanfstecklingen »Flowery Field«.

Aktuell rangiert der 1931 gegründete Klub im Tabellenmittelfeld der Wiener Stadtliga. Schlagzeilen macht er mit sozialen Projekten: Deutschkurse für Migranten, Beratung in Mietfragen, Rehabilitierungsjobs für ehemalige Strafgefangene werden angeboten. Zuletzt erfuhr die Öffnung der Umkleidekabinen in der Winterpause für wohnungslose Menschen in der Presse einige Beachtung. Es folgte eine Kontroverse um das knallbunte Logo des Hanfproduzenten.

Brustwerbung von Bierbrauern (Sturm Graz) oder Wettanbietern (SCR Altach) ist in der höchsten Spielklasse Österreichs längst kein Aufreger mehr. Flowery-Field-Geschäftsführer Alexander Kristen will nun Werbung für Hanfprodukte normalisieren. »Die Welt geht nicht unter, wenn ›Flowery Field‹ auf der Bande eines Fußballplatzes steht«, sagte er laut Standard bei Vorstellung des Werbevertrags mit der Wiener Viktoria. Er dürfte Recht behalten.

Vereinsvorstandschef Roman Zeisel ergänzte bei dem PR-Termin: »Wir möchten mit dem Thema auch Tabus ansprechen.« Überzeugungsarbeit mussten die Vereinsverantwortlichen auch in den eigenen Reihen leisten, etwa bei Eltern, deren Kinder in den Jugendmannschaften des Klubs aus dem Stadtbezirk Meidling spielen. Skeptiker aus dem Vereinsumfeld überzeugte, dass 30 Prozent der Einnahmen aus der Hanf-Reklame in den vereinseigenen Sozialfonds fließen.

Was hält der 95malige Nationalspieler Toni Polster von der Cannabis-Offensive seines Klubs? Als Botschafter für die Legalisierung von Marihuana und Haschisch sieht er sich jedenfalls nicht. »Ich bin kein politischer Aktivist«, sagte er der Wiener Zeitung, und dass er mit 53 »noch nie« mit Cannabis in Berührung gekommen sei. Im übrigen seien Sport und sozialer Rückhalt die beste Suchtmittelprävention.

In Österreich ist die Aufzucht von Hanfpflanzen legal, solange die Blüte der weiblichen Pflanze nicht vom Stamm getrennt wird, um daraus den psychoaktiven Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) zu gewinnen. Flowery Field verkauft wöchentlich bis zu 25.000 Stecklinge. Abnehmer sind vor allem Unternehmen aus der Medizin- und Kosmetikbranche. Dem Geschäftsmodell droht ein Ende durch die neue ÖVP-FPÖ-Regierung im Nationalrat. Das schwarz-blaue Regierungsprogramm enthalte ein Verkaufsverbot für Hanfsamen und -pflanzen, war neulich der Tiroler Tageszeitung zu entnehmen.

Ob die Meidlinger Fußballer nach der Winterpause tatsächlich mit einem neuen Hauptsponsor auflaufen, ist genauso ungeklärt wie die Frage nach dem Trainer. Neulich wollte Polster das Gerücht des Kölschen Boulevards nicht dementieren, er wechsle an die Seitenlinie in der Domstadt – nicht zum FC, nein, zum Spitzenreiter der viertklassigen Regionalliga West Viktoria Köln.

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/324497.vienna-dope.html#

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