Wie eine Meisterschaft. Kampf um den Klassenerhalt: Am Sonntag beginnt für den Mitteldeutschen Basketball Club (MBC) die Saison

Was kann man im Spitzen-Basketball mit dem schmalsten Etat der Liga erreichen? Einiges, meint Martin Geissler, Geschäftsführer des Mitteldeutschen Basketball Clubs (MBC), gegenüber jW: »Wir haben in unserer Klubgeschichte gezeigt, dass man mit einem kleinen Etat wettbewerbsfähig in der ersten Liga spielen kann.« Zweimal, 2010 und 2014, sei das Team in den vergangenen Spielzeiten nur knapp am Play-off-Viertelfinale vorbeigeschrammt.

Die Ligatitanen Bayern München, Brose Bamberg und Alba Berlin sind wirtschaftlich meilenweit von den Weißenfelsern des MBC aus Sachsen-Anhalt entfernt. Und: Die Distanz wird größer. Geissler: »Der Durchschnittsetat in der BBL liegt bei 5,3 Millionen Euro. Die Bayern haben 25 bis 30 Millionen Jahresbudget.« Der MBC geht mit 2,2 Millionen in seine insgesamt 13. Erstligasaison. Klare Verhältnisse im Klassement.

Rückblende: Basketballsport in der DDR? Ja, den gab es. Die Sektion Basketball im Sportausschuss der DDR wurde 1952 als Mitglied des Weltverbands FIBA gegründet. Die DDR-Oberliga als höchste Spielklasse bestand seit 1955, anfangs noch in eine Nord- und Südstaffel untergliedert. Im Unterhaus, der DDR-Liga, spielte ab 1962 der Vorgänger des MBC, die 1958 gegründete Basketballabteilung des SSV Einheit Weißenfels. Nach einem Abstieg (1965) und einem erneuten Aufstieg (1972) starteten die Weißenfelser Basketballer nach dem Staffelsieg 1979 in der Oberliga. Die letzte DDR-Oberligasaison 1990/91 beendete das Team auf Rang drei.

Profivereinssport ist oft westdeutsch dominiert – so auch im Basketball. Die Weißenfelser Mannschaft war das erste ostdeutsche Basketballteam, das den Sprung in die Beletage schaffte. 1999 war das. Es folgte ein typisches Auf und Ab zwischen erster und zweiter Liga inklusive Insolvenz 2004 – Folge: Zwangsabstieg in die drittklassige Regionalliga. »Mission sofortiger Wiederaufstieg« war immer das Credo des MBC – zuletzt in der Saison 2016/17 mit dem Aufstieg aus der ProA, der zweiten Liga, ins Oberhaus. In der Aufstiegssaison 2017/18 wurden die Weißenfelser Wölfe Fünfzehnter von 18 Teams.

Und die neue Saison? Einmal mehr wird es darum gehen, im erwarteten Abstiegskampf sportlich zu bestehen. Keine leichte Sache. »Klassenerhalt, das ist für uns wie eine Meisterschaft«, sagt Trainer Aleksandar Scepanovic in der jüngst erschienenen Sonderausgabe des Sportmagazins Basketball in Germany (BIG).

Richtungsweisend werden die ersten BBL-Spiele sein; alles Spiele gegen Teams, die im unteren Tabellendrittel gegen den Abstieg kämpfen werden. Los geht’s für den MBC am Sonntag, den 30. September, in Gießen gegen die traditionsreichen 46ers. »Wir wollen uns gleich zu Saisonbeginn eine gute Ausgangsposition erarbeiten«, betont Geissler. Der Umbruch im Kader war groß: zehn Neuzugänge, viele Abgänge, vor allem von altgedienten Akteuren. Verletzungsanfällig und leistungsschwankend seien sie, meinen Kritiker dieser Einkaufspolitik. Geissler hält das Risiko für »überschaubar« – trotz des Ausfalls des »Königstransfers« Alex Ruoff für die Combo-Guard-Position.

Eigengewächse sind bei Bundesligisten rar, auch beim MBC. Jonas Niedermanner (21) ist eines der wenigen. Spielpraxis wird er sich vorrangig im drittklassigen MBC-Farmteam BG Bitterfeld-Sandersdorf-Wolfen 06 holen müssen. Der Weg in die BBL laufe über viele Zwischenschritte, »eine harte Selektion«, so Geissler. Eigene Nachwuchsspieler im Erstligateam seien für Fans aber Identifikationsfiguren, sagt Jens Peltsch-Hahnemann von den »Alphawölfen«, dem Fanclub des MBC, gegenüber jW. »Das schafft einen Extraanreiz für das ehrenamtliche Fanengagement.«

Ab kommender Saison müssen Erstligisten laut Ligabeschluss für die Lizenz einen Pflichtetat von drei Millionen vorweisen – ein Schlag gegen Klubs aus strukturschwachen Ostregionen? Geissler verneint: »Ich habe nie den Eindruck gehabt, dass Ostklubs benachteiligt wurden.« Für ihn ist ein anderer Punkt problematisch: »Bei der Standarderhöhung des Saisonetats reichte eine einfache Mehrheit der BBL-Klubs; bei einer Abstimmung über eine Verkleinerung der Liga von derzeit 18 auf 16 Teams hätte es eine Zweidrittelmehrheit gebraucht.« Die sei nicht in Sicht. Geissler vermutet: »Durch die Hintertür soll die BBL verkleinert werden.«

jW fragte nach, Stefan Holz, BBL-Geschäftsführer, antwortete: »Es geht überhaupt nicht darum, kleinere Klubs durch die Hintertür aus der Liga zu drängen.« Außerdem seien 18 Teams in der BBL im Grundlagenvertrag mit dem Deutschen Basketball Bund (DBB) bis 2022 festgeschrieben. »Wer also die BBL-Bedingungen sportlich und wirtschaftlich erfüllt, der nimmt an der BBL teil.« Der DBB erklärt sich als nicht zuständig, deren PR-Mann Johannes Mocnik: »Die Entscheidung zur Erhöhung der Etatstandards ist eine Entscheidung der Liga, getroffen von den Vereinen.« Dem Verband liege keine Information zur Ligaverkleinerung vor.

Dennoch: Einmal abgestiegen ist es »fast unmöglich«, die wirtschaftlichen Auflagen für die Eliteliga nach einem sportlichen Aufstieg zu erfüllen, meint Geissler. Fehlende Einkünfte aus TV-Verträgen könnten die Klubs kaum wettmachen. Immer mehr Budget auftreiben zu müssen, erhöht die Abstiegsangst, »deshalb ist der Klassenerhalt für uns so wichtig«.

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/340648.wie-eine-meisterschaft.html

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