Zehn sind nicht genug. Bundesligavorstand und Österreichischer Fußballbund krempeln Meisterschaft um. ORF verliert Übertragungsrechte

Reformversprechen lösen oft Skepsis aus – jedenfalls bei österreichischen Fußballfans. Anders bei den Funktionären: »Die Bundesliga, der ÖFB und die Landesverbände stehen geschlossen hinter dem Ergebnis«, schreibt Thomas Hollerer, Generalsekretär des Österreichischen Fußballbundes (ÖFB), im Verbandsmagazin Corner (2/18). Das Ergebnis: Zwölf statt zehn Teams in der Bundesliga, 16 statt zehn in der 2. Liga. Das ist die markanteste Veränderung mit Beginn der 45. Saison der Bundesliga, die seit 1974 existiert. Nach 25 Jahren der Zehnerliga habe das Modell ausgedient, sagen die Verbandsspitzen. Der Neustart ist aber auch eine Rückkehr: Eine Zwölferliga gab es bereits von 1985 bis 1993.

Neu ist hingegen der Spielmodus. Nach Hin- und Rückrunde (22 Spieltage) wird die Liga geteilt und werden die Punkte halbiert. Die ersten sechs kicken in der Meistergruppe um den Titel und die internationalen Startplätze. Die unteren sechs Vereine müssen in die Qualifizierungsgruppe. Nach zehn weiteren Partien für die Teams in den beiden Gruppen stehen Meister und Absteiger fest. Die Ligareformer haben sich ein Bonbon einfallen lassen: Der Erste der Qualifizierungsgruppe spielt in den Play-Offs um einen Startplatz in der Europa-League gegen den Fünften und gegebenenfalls Vierten der Meistergruppe. Damit werde die Attraktivität der unteren Hälfte der Bundesliga gesteigert, mutmaßen die Verbandschefs. Diese Ansicht teilen nicht alle: Selbst die konservative Tageszeitung Die Presse sieht in ihrer Ausgabe vom 22. Juli »die Gefahr einer Zweiklassengesellschaft«.

Eine »neue Ära« bricht auch in der Vermarktung an. Mit einem großen Verlierer: Der ORF stieg aus dem Rennen um die Fußball-Übertragungsrechte aus, die Gebühren reichten nicht, sagte Sportchef Hans-Peter Trost in der aktuellen Ausgabe des Fußballmagazins Ballesterer. Statt dessen hat der Pay-TV-Sender Sky zugeschlagen und für vergleichsweise günstige 34 Millionen Euro die TV-Rechte an den Bundesligapartien gekauft. Kritiker sprechen von einer Bezahlschranke und eingeschränkter Reichweite, wenn die Spiele nicht mehr live im öffentlich-rechtlichen Sender zu sehen sein werden. Christian Ebenbauer, Vorstand der Bundesliga, erklärt im Ballesterer-Interview: »Wenn man Fußball als Wirtschaftsfaktor sieht, wenn man international wettbewerbsfähig sein will, muss man mit den medialen Rechten Geld verdienen.« Ein Sachzwang also.

Was ist noch neu? Erstmals spielen Teams aus allen neun Bundesländern in der höchsten Spielklasse – dank des Aufstiegs der Tiroler vom FC Wacker Innsbruck. Wie findet der Aufsteiger die Liga-Reform? »Sehr spannend«, sagt Alfred Hörtnagl, General Manager von Wacker, auf Nachfrage von jW. Viele Entscheidungsspiele seien zu erwarten.

In der 2. Liga konkurrieren die 16 Klubs in 30 Runden um den Aufstieg ins Oberhaus. Nur der Erste steigt auf. »Die neue 2. Liga wird eine Drehscheibenfunktion zwischen Profi- und Amateurfußball einnehmen«, zitiert die Sportzeitung vom 17. Juli Bundesligavorstand Ebenbauer. Drei Reserveteams von Erstligisten dürfen künftig in Liga zwei mitmischen.

Verärgert zeigt sich die aktive Fanszene über die drei Spielansetzungen sonntags (bisher gab es nur ein Sonntagsspiel pro Runde) in der 1. Bundesliga. Für Auswärtsfans werden diese Partien stressig, wenn montags früh die Erwerbsarbeit wartet.

Kritik kommt auch von Alfred Tatar, früher Spieler, jetzt »Trainerphilosoph« des Landes und Sky-Experte: »Aus meiner Sicht wäre es das Gescheiteste gewesen, überhaupt keine Reform zu machen«, sagte er im März. Grund: wegen der Fahrt- und Übernachtungskosten blieben Klubs, die sich für die zweithöchste Spielklasse sportlich qualifiziert hätten, lieber in den drittklassigen Regionalligen.

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/336645.zehn-sind-nicht-genug.html

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